nachdenkliches
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10 Bitten eines Hundes an den Menschen 1. Mein Leben dauert 10 bis 15 Jahre. Jede Trennung von Dir wird für mich Leiden bedeuten. Bedenke es, ehe Du mich anschaffst. 2. Gib mir Zeit zu verstehen, was Du von mir verlangst. 3. Pflanze Vertrauen in mich - ich lebe davon. 4. Zürne mir nie lange und sperre mich zur Strafe nicht ein! Du hast Deine Arbeit, Dein Vergnügen und Deine Freunde - ich habe nur Dich. 5. Sprich manchmal mit mir. Wenn ich auch Deine Worte nicht verstehe, so doch die Stimme, die sich an mich wendet. 6. Wisse, wie immer an mir gehandelt wird - ich vergesse es nie. 7. Bedenke, ehe Du mich schlägst, das meine Kiefer mit Leichtigkeit die Knöchel Deiner Hand zerquetschen könnte, das ich aber keinen Gebrauch von ihnen mache. 8. Ehe Du mich bei der Arbeit "unwillig" Schiltst, "bockig" oder "faul", bedenke : vielleicht plagt mich ungeeignetes Futter, vielleicht war ich zu lange der Sonne ausgesetzt oder habe ich ein verbrauchtes Herz. 9. Kümmere Dich um mich, wenn ich alt werde - auch Du wirst einmal alt sein. 10. Gehe jeden schweren Gang mit mir. Sage nie: " Ich kann so was nicht sehen" oder" es soll in meiner Abwesenheit geschehen". Alles ist leichter für mich mit Dir.
Mein Hund Er ist mein drittes Auge, das über die Wolken blickt, mein drittes Ohr, das über die Winde lauscht. Er ist der Teil von mir, der sich bis zum Meer erstreckt. Wie er sich an meine Beine lehnt, beim leisesten Lächeln mit dem Schwanz wedelt, seinen Schmerz zeigt, wenn ich ohne ihn ausgehe..., sagt mir tausendmal, das ich der einzige Grund seines Daseins bin. Habe ich Unrecht, verzeiht er mir mit Wonne. Bin ich wütend, bringt er mich zum lachen. Bin ich glücklich, wird er vor Freude fast verrückt. Mache ich mich zum Narren, sieht er darüber hinweg. Gelingt mir etwas, lobt er mich. Ohne ihn bin ich nur einer unter vielen. Mit ihm bin ich stark. Er ist die Treue selbst. Er lehrt mich die Bedeutung der Liebe. Durch ihn erfahre ich seelischen Trost und inneren Frieden. Er lehrt mich verstehen, wo vorher Ignoranz war. Sein Kopf auf meinem Knie heilt meine menschlichen Schmerzen. In seiner Gegenwart habe ich keine Angst vor Dunkelheit und Unbekanntem. Er versprach auf mich zu warten,... wann und wo auch immer... ich könnte ihn ja brauchen. Und ich brauche ihn - wie ich es immer getan habe. Er ist eben mein Hund.
Dein treuer Hund Wenn alle Dich meiden und hassen, ob mit oder ohne Grund, wird einer Dich niemals verlassen, und das ist Dein treuer Hund. Und würdest Du ihn sogar schlagen, ganz herzlos und ohne Verstand, er wird es geduldig ertragen und leckt Dir dafür noch die Hand. Nur Liebe und selbstlose Treue hat er für Dich immer parat! Er beweist es Dir täglich aufs neue wie unsagbar gern er Dich hat. Nennst Du einen Hund Dein eigen, wirst Du nie verlassen sein, und solltest Du vor Einsamkeit schweigen denn Du bist niemals allein. Wird einst der Tod Dir erscheinen, und schlägt Dir die letzte Stund, wird einer bestimmt um Dich weinen und das ist Dein treuer Hund. Drum schäm Dich nicht Deiner Tränen, wenn einmal Dein Hund von Dir geht! Nur er ist, das will ich erwähnen ein Wesen, das stets zu Dir steht.
Ein selbstloser Freund Der einzige selbstlose Freund, den der Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt haben kann, der einzige Freund, der ihn nie verlässt und sich ihm gegenüber nie undankbar oder treulos erweist, ist sein Hund. Eines Menschen Hund steht in Wohlstand und Armut an seiner Seite, in gesunden und kranken Tagen. Er wird auf kalter Erde schlafen, im eisigen Wind und Schnee des Winters, nur um an der Seite seines Herrn und Meisters zu sein. Er wird die Hand küssen, die ihm Nahrung anbieten kann; er wird die Wunden und Schrammen lecken, die die raue Welt schlägt. Er behütet den Schlaf seines armen Herrn, als wäre dieser ein Fürst. Und wenn alle Freunde ihn verlassen: Er bleibt zurück. Und wenn der Reichtum vergeht, der Ruf zuschanden wird, seine Liebe bleibt beständig, wie die Sonne auf ihrer Reise über das Himmelszelt.
Du bist so gut wie ein Hund, * wenn Du den Tag ohne Kaffee beginnen kannst, ohne gereizt zu sein, * wenn Du immer fröhlich bist und Wehwehchen und Schmerzen ignorieren kannst, * wenn Du Dich nicht beschwerst oder Leute mit Deinen Problemen langweilst, * wenn Du jeden Tag dasselbe essen kannst und dafür noch dankbar bist, * wenn Du Verständnis dafür hast, das die Menschen, die Du liebst, zu beschäftigt sind, um Zeit mit Dir zu verbringen, * darüberhinwegsehen kannst, das die, die Du liebst, manchmal ohne Grund ihre Aggressionen an Dir auslassen, * wenn Du einen reichen Freund nicht besser als einen armen behandelst, * wenn Du der Welt ohne Lüge und ohne Täuschung gegenüberstehen kannst, * wenn Du wahrlich sagen kannst, das es in Deinem Herzen keine Vorurteile gegen die verschiedenen Rassen, Farben, Religionen, Weltanschauungen und politischen Meinungen gibt, * wenn Du bedingungslos lieben kannst, ohne Druck auszuüben, oder Erwartungen zu haben, * dann, mein Freund, dann bist Du fast so gut wie ein HUND.
Muss das sein? Ich bin Biene, ein Rottweiler, war angebunden an einen Pfeiler, hab gewinselt und gejault, das Vertrauen an euch war angefault. Ich bin Biene, ein Rottweiler, brauche jetzt einen Seelenheiler, sitz im Tierheim Tag für Tag, gibt es keinen, der mich mag? Ich bin schwarz und groß dazu,hab ich den gar keine Ruh? Trag den Maulkorb am Munde wie noch viele andere Hunde. Und der Hals schmerzt mir so sehr, ich hab keinen Freilauf mehr. Kann die Leine nicht mehr sehen. Wie soll das denn nur weiter gehen? Ich will ein Zuhause haben! Doch ich hör nur alle sagen: "Sieh dir diesen Kampfhund an wie man so was züchten kann!" Beißt nur hin und beißt nur her, Herz hat der bestimmt keins mehr! Natürlich habe ich ein Herz! Es ist voll mit ganz viel Schmerz. Gibt es keinen der mich liebt? Wie es mir im Ohre piept, hör nur noch böse Sätze, will es nicht mehr das Gehetze! Will den niemand hier verstehen, es kann doch nicht so weitergehen! Nicht die Hunde tragen Schuld, sondern die sie einst geholt. Lassen sie kämpfen auf Plätzen, der Best, der darf weiterhetzen, wer nicht spurt, der wird geschlagen, wer wird das denn lang ertragen? Wie lang ich hier noch sitze weiß ich nicht aller Lebenswille scheint verwischt Seit ihr denn wirklich so dumm? Seht ihr nur die Hülle drum doch was wirklich drinnen steckt das wisst ihr nicht: ein Freund, der mit euch geht durch Dunkelheit und Licht !!!
Ein glückliches Hundeleben! Ich weiß noch genau die Stunde, als Du kamst in unsere Runde. Schautest alle einzeln an." Diesen nehme ich", sagtest Du dann. Hochgenommen auf den Arm, bei Dir war es sehr schön warm. Der Geruch, der war mir neu, und ich dachte voller Scheu, was kommt jetzt auf dich zu, und ich hatte keine Ruh. Ab ins Auto, schon ging's los, wohin komm ich denn nun bloß? Bald war diese Fahrt vorbei, mir war alles einerlei. Denn vor Angst konnt' ich nur beben, auf den Teppich ging der Segen. Ins Körbchen setztest Du mich nun, um mich dort mal auszuruhen. Neugierig sah ich mich dann um, aber es war doch zu dumm. Keiner war zum spielen da, und es wurde mir nun klar; jetzt bist du doch ganz alleine, hört denn keiner, dass ich weine? Dann kamst Du ins Zimmer rein, sprachst ganz ruhig auf mich ein. Mein ganzer Kummer war verflogen, sie war'n weg nun meine Sorgen. Es war, als hätte ich geträumt, nun hatte ich einen großen Freund! Viele Jahre sind wir nun zusammen, sind durch Dick und Dünn gegangen. Meine Beine wollen oft nicht mehr. Das Laufen fällt mir oft gar schwer. Ich will es nun doch einmal wagen und es Dir ganz offen sagen: Wenn mein Herz mal nicht mehr schlägt, großen Kummer Dich bewegt, einen Trost in Deinem Leid: Sie war schön mit Dir, die Zeit. Denke dann i stillen Stunden, wie viel Liebe uns verbunden. Einer war für den Anderen da, und es war doch wirklich klar: Eine Liebe, rein wie das Licht, mein Herz, das schlug nur für Dich !
Wie konntest Du nur? Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?"-aber denn gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen. Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis ( ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete. Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen - und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest. Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe". Als sie aber größer waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackeligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung - denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre. Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träume zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn im Auge. Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie. Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest " Ich weiß, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet - auch mit "Stammbaum". Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als es schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen. Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und Fragten "Wie konntest Du nur?". Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du - das Du Deine Meinung geändert hättest - das all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei... oder ich hoffte, das es zumindest jemand wäre, der Interesse an mich hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, das ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um - Aufmerksamkeit - Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete. Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäß war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte. Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?" Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, das ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort. Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, das mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt. Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten. Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen !
Der alte Hofhund Harro, der Schäferhundmischling, war so etwa zwölf bis sechzehn Jahre alt. Genau wusste das niemand. Der Hund, dessen Fell inzwischen schon stumpf und glanzlos war, gehörte seit langer Zeit zum festen Inventar des großen Bauernhofes. Zuverlässig, wie Hunde sind, hat er über Jahre hinweg seinen Wachdienst verrichtet. Lob und Liebe hat er dafür nur im geringen Maße erhalten, eine besondere Verbindung Mensch Tier hatte sich nicht entwickelt. Dies ist nicht erstaunlich, da man früher auf dem Lande die Tiere in erster Linie nach ihrem Nutzwert beurteilte. Wirklich innige Tierliebe entstand nur selten. Selbstverständlich, der Hund hatte seinen Nutzwert. Als pflichtbewusster Wachhund hatte er einen anerkannten Stellenwert. Er durfte schon mal mit hinaus zum Feld, wenn der Bauer seine Kontrollgänge machte. Das war eine große Anerkennung für den Hund. Spielen, oder Streicheln waren für Harro jedoch rare Seltenheit. Der Hund war meist sich selbst überlassen. Er hatte eine feste Hütte, regelmäßiges Fressen und freien Auslauf, wenn das mauerumrandete Gehöft am Abend verschlossen wurde. Tagsüber war seine Bewegungsfreiheit durch eine lange Metallkette eingeschränkt. Das war notwendig, denn Harro duldete keine Fremden, die sich innerhalb der Grenzen des Bauernhofes aufhielten. Mit scharfem Gebell meldete er am Tage die Besucher an und wenn nachts ungebetene Gäste versuchten Haus und Hof zu betreten, so gab es für sie keine Chance gegen die Wachsamkeit von Harro. Auch heute noch ist es so, obwohl Harro längst nicht mehr stark und gelenkig ist, wie in seinen frühen Hundejahren. Doch Pflichtgefühl und Kampfbereitschaft dominieren immer noch, wenn sich unbekannte Bewegungen im Hofgeviert ergeben. Da spürt Harro nicht den Rheumaschmerz, der seine Knochen an kühlen Tagen durchzieht. Da überwindet er das Hinken des rechten Hinterlaufes, den er sich vor Jahren in einer landwirtschaftlichen Maschine eingezwängt hat. Sein Bellen erscheint heute nicht mehr so scharf wie früher, doch in Gefahrenmomenten, wenn er giftig knurrt und dabei seine grau gewordene Schnauze vor Aufregung zittert, muss sich auch heute noch jeder, gleich ob Tier oder Mensch, vor Harro, dem alten Wächter des Hofes fürchten. Doch was wird sein, wenn er noch schwächer, sein Gebiss kraftlos und sein Gehör noch weniger aufnahmefähig wird? Er wird ersetzt werden durch einen jungen, kraftstrotzenden Wachhund und seine Dienste, die man als selbstverständlich hinnahm, werden rasch vergessen sein. Vielleicht hat er, der Hund, Glück und er erhält sein Gnadenbrot. Obwohl, Dankbarkeit ist nicht das, was Harro in seinem Hundeleben erfahren hat. Die Menschen gaben ihm das Notwendigste, mehr jedoch nicht. An großen Feiertagen, wie auch jetzt zum Weihnachtsfest, da gab es für Harro schon mal eine extra Portion, einen saftigen Knochen oder gar eine Hundewurst. Doch niemals durfte er das Haus betreten, geschweige denn gar am wärmenden Kachelofen liegen. Gerade das hätte seinen müden, rheumageplagten Gelenken doch so gut getan. Einmal an einem kühlen, regnerischen Herbsttag hat er versucht, getrieben vom Schmerz, sich die fehlende Wärme im Haus des Bauern zu holen. Unverständlich war für Harro, das man ihn, den treuen Wächter von Haus und Hof, sofort wieder hinausgejagt hat, in die Kühle der ersten frostigen Tage. Auch heute war es wieder ein klirrend kalter Wintertag. Der eisige Wind ließ sich auch nicht von den stabilen Brettern von Harros Hundehütte abhalten. Obwohl er sich eng zusammengerollt hatte konnte sich der Hund nicht erwärmen. Er stand auf, er musste sich bewegen, denn der Schmerz des Rheumas und der Abnutzungserscheinungen war heute besonders unerträglich. Wehmütig blickte er hinüber zum Haus, aus dessen Fenstern behagliche Wärme blinkte. Harro spürte es, dieser Abend war anders, nicht vergleichbar mit den sonstigen Tagen. Seltsame, friedvolle Stimmung lag nicht nur über dem Bauernhof, sondern strahlte über die gesamte Ortschaft. Kein Motorenlärm, kein Wirtshausgeplärr störte die geruhsame Stille. Harro, der mit den Jahren sensibler geworden war, der kleinste Schwingungen und Stimmungen intensiv in sich aufnahm, fühlte etwas von der Liebe und Behaglichkeit, die heute Nacht das Dorf umgab. Diese Stimmung veranlasste Harro etwas zu tun, was er in seinem gesamten Hundeleben noch nie getan hatte. Harro verließ zum ersten Male seinen Wachposten. Instinktiv spürte er, das heute keinerlei Gefahren lauerten. Durch eine Nische im Bretterzaun des Gartens zwängte er sich hinaus und lief quer über das beackerte, schneebedeckte Feld, hinüber zum Dorfrand. Er hinkte wieder ein wenig, als er die kleine Nebenstraße erreichte. Es war für ihn wie ein innerer Zwang, er musste laufen. Warum gerade heute, warum ausgerechnet in diese Richtung? War es Eingebung, die den alten Hofhund hinaustrieb, dorthin wo die einfachen Häuser standen? Leise, klingende Geräusche drangen aus den Inneren, der wie geduckt dastehenden Bauten. Der auf den Dächern lastende Schnee ließ die Behausungen noch bescheidener wirken, als sie es ohnehin waren. Hier war die Siedlung der "Austragler", Arbeitskräfte die Jahrzehnte bei den Bauern ihre Arbeit verrichtet hatten, durften hier ihren Lebensabend verbringen. Für Gelegenheitsarbeiten und kleinere Botengänge wurden sie ab und zu noch herangezogen. Es waren einfache Hütten, mit kleinen Zimmern, die sich die Alten manchmal auch noch teilen mussten , wo die Betagten sich auf ihre letzten Lebensjahre vorbereiteten und wo sie an warmen Tagen, auf den Bänken, die vor den Häusern standen, in Erinnerungen schwelgten. Sie dachten zurück an eine raue Zeit, die den Alten heute jedoch, mit dem Schliff der Vergangenheit, als gut und menschlich erschien. Viele von ihnen hatten sich zum Weihnachtsfest zusammengetan, denn wer möchte am Weihnachtstag schon alleine sein. Es waren nur alte Menschen, die diese Siedlung bewohnten und bei so manchem war der Partner schon vorausgegangen, dorthin, woher wir kommen und wohin wir nach unserem Erdenleben zurückkehren. Anton, der alte Knecht, der sein Lebtag auf dem Hofe von Harro's Herrn gearbeitet hatte, war nicht am gemeinsamen Weihnachtsabend der Alten beteiligt. Er wollte an diesem Tage alleine sein und er fühlte sich dabei nicht einsam. Erinnerungen an Menschen und auch an Tiere, die ihm zugetan waren, verschönerten Anton diesen Feiertag, ließen nochmals auferstehen die Stunden der Gemeinsamkeiten. War es Zufall, war es Bestimmung, die Anton vor das Haus treten ließ, um den weihnachtlichen Himmel zu genießen, die prunkvollen Gestirne zu bestaunen und dabei an die Unendlichkeit, die für uns Menschen ungreifbar ist, von Zeit und Raum zu denken? Wie auch immer, Antons Besinnen wurde durch ein leises Wuff gestört. Er kannte diesen Laut, das musste Harro sein, dessen Gestalt, angestrahlt durch Mond und Sterne, sich vom weißen schneebedeckten Boden abhob. Ein leiser Pfiff, ein kaum merkliches Wedeln der Rute und Harro hinkte auf Anton zu. Der Hund wirkte unendkich traurig, der Lauf durch den Schnee hatte ihn ermüdet. Nichts war mehr da, von der Frische und Kraft, die Harro stets ausgezeichnet hatte. Hier war eine Kreatur, die Hilfe suchend um Nestwärme nachsuchte. Wie selbstverständlich folgte Harro dem Alten ins Haus, etwas das gestern noch unvorstellbar gewesen wäre. Vielleicht war es der Zauber der Weihnachsnacht, der Mensch und Tier, beide alt und ausgelaugt, zusammenbrachte. Für beide war es eine rt von erfülltem Weihnachtstraum. Ein Verteilen an Geschenken, das keinerlei Gegenleistung erwartete. Harro, dem Anton vom sowieso kärglichen Festtagsmahl Fleisch angeboten hatte fraß nicht viel. Den Hund zog s nur zum holzbeheizten, eisernen Ofen. Ein wenig misstrauisch schielte er noch zu Anton, als er sich davor legte. Er zitterte immer noch, denn der eisige Frost hatte sich in Körper und Fell festgeklammert. Eine alte Decke, die Anton über den Hund legte, beruhigte Harro. Das war das, wonach er sich seit Jahren sehnte, wenn der Schmerz wieder einmal durch seinen Körper kroch. Es schien so, als ob der Hund zufrieden vor sich hinbrummelte, als er bald darauf ermattet einschlief. Nach Stunden erschöpften Schlafes, schreckte Harro hoch. Wo war er? Es zog ihn hinaus zur Tür, er musste zurück zum Hof um seine Pflicht zu erfüllen. Es fiel ihm schwer, den immer noch fühlte er sich schwach. Mit festem Griff und doch mit liebvoller Behutsamkeit zog Anton das Tier zurück zur Decke. Ruhig sprach er auf Harro ein, er soll hier bleiben, sich weiter ausruhen. Er, Anton würde ihren ehemals gemeinsamen Herrn aufsuchen und bitten, Harro ihm zu überlassen. Der alte Hofhund, dessen Leistungsfähigkeit ausgeschöpft war, schien die Worte des alten Menschen zu verstehen. Als ob es nie anders gewesen wäre, folgte er der Stimme seines neuen Herrn. Doch Anton, der Harro, mit Hilfe der Weihnachtstimmung, tatsächlich von seinem Bauern zugesprochen bekam, war niemals ein Herr für den alten Hofhund. Er war stets Harro's Freund, manchmal bestimmend, manchmal nachgebend, so wie echte Freundschaften eben sind. Harro dankte es auf Hundeart. Auch Antons Tage wurden dadurch schöner. Der Tierfreund wird das bestimmt verstehen.
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